Was muss jemand können, der an einem Elektrofahrzeug arbeitet?
Die Antwort lautet häufig: „Er benötigt eine Hochvoltausbildung.“
Aber was bedeutet das konkret?
Muss er den Aufbau einer Lithium-Ionen-Batterie verstehen?
Muss er Leistungselektronik diagnostizieren können?
Muss er ein Fahrzeug freischalten können?
Muss er unter Spannung arbeiten können?
Das sind unterschiedliche Kompetenzen.
EV – technische Kompetenz
EV – Electric Vehicle Competence beschreibt das technische Verständnis elektrisch angetriebener Systeme.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Fahrzeug- und Systemarchitektur,
- elektrische Antriebe,
- Energiespeicher,
- Leistungselektronik,
- Lade- und Energieversorgungssysteme,
- Diagnose,
- Komponenten und deren Funktionen.
EV beantwortet die Frage:
Wie funktioniert das System?
HV – Sicherheitskompetenz
HV – Hazardous Voltage Safety Competence verfolgt einen anderen Zweck.
Dazu gehören beispielsweise:
- elektrische Gefährdungen erkennen,
- Schutzmaßnahmen auswählen,
- Arbeitsbereiche sichern,
- Freischaltverfahren anwenden,
- spannungsfreien Zustand feststellen,
- gegen Wiedereinschalten sichern,
- geeignete Arbeitsverfahren anwenden,
- Verantwortlichkeiten verstehen.
HV beantwortet die Frage:
Wie arbeite ich unter den gegebenen elektrischen Bedingungen sicher?
Zwei Kompetenzen – keine zwei Welten
EV und HV sollen nicht voneinander isoliert werden.
Im Gegenteil.
Sie können aufeinander aufbauen und für konkrete Tätigkeiten miteinander kombiniert werden.
Technische Kompetenz + Sicherheitskompetenz = tätigkeitsbezogene Handlungskompetenz.
Das ermöglicht eine wesentlich präzisere Antwort auf die Frage:
Was kann diese Person tatsächlich?
Nicht der Name eines absolvierten Kurses sollte im Mittelpunkt stehen.
Sondern die nachgewiesene Kompetenz.
Im nächsten Beitrag: Zwei Kompetenzbereiche führen zu einer weiteren Frage: Wer soll welche Kompetenz vermitteln? Warum formale technische Bildung und non-formale Sicherheitsqualifikation unterschiedliche Aufgaben übernehmen können.
